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< Viel gewollt, wenig erreicht?

Den Kreativ-Turbo zünden

„Wir halten die Kreativität nur deshalb für eine Gabe, weil wir uns nie bemüht haben, sie als Fertigkeit zu üben.“     
Edward de Bono

Fachleute sehen Kreativität als Schlüsselressource der Zukunft. Doch warum ist Kreativität für Unternehmen eigentlich so wichtig geworden? Was macht ein kreatives Arbeitsumfeld aus? Und mit welchen Techniken können wir der Kreativität im Team auf die Sprünge helfen?


Innovation und Problemlösung – Kreativität wird überall dort gebraucht, wo neue Wege beschritten werden. Nicht nur heute, sondern auch in Zukunft erfolgreich zu sein, bedeutet ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft. Einmal ein tolles Produkt auf den Markt gebracht zu haben, reicht längst nicht mehr aus: Wer nicht innovativ ist, findet sich bald in einem zermürbenden Verdrängungswettbewerb über den Preis. Unternehmen, die sich aus guten Gründen nicht in dieses Haifischbecken begeben wollen, brauchen gute Ideen, um aus der Masse hervorzustechen. Kurzum: Sie brauchen kreative Köpfe, Querdenker. Sie brauchen Mitarbeiter, die alte Denkweisen ablegen und an Probleme neu herangehen können.

Noch immer wird Kreativität jedoch nur in bestimmten Bereichen eines Unternehmens verortet, bemängeln Experten. Business-Querdenkerin Anja Förster spricht gar von einer „kreativen Apartheid“ in vielen Betrieben. Oft würden nur diejenigen die Möglichkeit zur Entfaltung ihrer Kreativität bekommen, die klassisch als „Kreative“ definiert würden: Marketingstrategen etwa, Forscher, Werbeleute. Innovative Unternehmen aber brauchen mehr als die Geistesblitze einzelner Kreativer, so die Überzeugung der Fachleute. 
 
Auch in Produktion und Verwaltung seien schließlich gute Ideen gefragt, mit denen sich zum Beispiel Arbeitsabläufe verbessern lassen oder mit denen noch besser auf Kundenwünsche eingegangen werden kann. Kreativität ist letztlich nicht mehr und nicht weniger als die Erzeugung von neuen und nützlichen Ideen und diese können überall im Unternehmen entstehen. Unternehmen brauchen darum eine Unternehmenskultur, die Raum gibt für Kreativität und neue Ideen. Und sie brauchen Risiko- und Lernbereitschaft.

Ein kreatives Umfeld schaffen
Experten betonen immer wieder, dass Vorgesetzte einen entscheidenden Anteil daran haben, wie kreativ ihr Team sich präsentiert. Chefs können die Kreativität ihrer Mitarbeiter positiv beeinflussen, indem sie deutlich machen, dass eigenständiges Denken und Handeln im Team erwünscht ist. Wo dagegen neue Ideen nur belächelt werden, traut sich niemand, kreativ zu werden. Wo Fehler nicht toleriert werden, wagt niemand zu experimentieren, weil er sich nicht sicher sein kann, dass auch alles funktioniert.

In einer Studie, für die das Stuttgarter Unternehmen IQudo mehr als 530 Arbeitnehmer befragt hat, zeigte sich, dass der Arbeitsplatz nicht der Ort für kreative Ideen zu sein scheint. So gab der mit 93,6 Prozent weitaus größte Teil der Befragten an, seine besten kreativen Ideen nicht etwa am Schreibtisch zu haben, sondern in der Dusche oder der Badewanne (13,5 Prozent), im Bett oder auf dem Sofa (12,1 Prozent) oder gar auf der Toilette (9,9 Prozent). Auch beim Joggen (7,1 Prozent), Spazierengehen oder beim Sport treiben (5 Prozent) werden die Teilnehmer kreativ.
Warum Kreativität am Arbeitsplatz so selten in Erscheinung tritt, begründeten die meisten Studienteilnehmer mit Stress (36,7 Prozent), Ablenkung durch Chefs und Kollegen (23,5 Prozent). 14,2 Prozent der Befragten gaben an, dass Kreativität an ihrem Arbeitsplatz unerwünscht, weil Chefsache sei. 9,3 Prozent meinten, dass ihre Arbeit keinen Spaß mache und sie deswegen keine kreativen Ideen entwickeln könnten. 
 
Ablenkungen helfen
Dass geringe Motivation und fehlender Spaß im Job Kreativitätskiller sein können, für diese Erkenntnis muss man kein Kreativitätsforscher sein. Dass Ablenkungen indes kein Hinderungsgrund für Kreativität sind, ist da schon spannender: Nach den Ergebnissen eines US-amerikanischen Forschers macht uns Zerstreuung sogar kreativer! Er vermutet, dass kurze Ablenkungen verschiedene Gehirnregionen miteinander verknüpfen und uns so auf neue Ideen für alte Probleme bringen. Chefs tun also gut daran, nicht jede kleine Zerstreuung zu unterbinden, sei es das Schreiben einer kurzen SMS, der kurze Kollegenplausch in der Teeküche oder das Buchen einer Kinokarte im Internet. Immerhin 41 Prozent der Probanden konnten eine Aufgabe besser lösen, nachdem sie zwischendurch eine andere, simple Tätigkeit ausgeführt hatten!

Blau macht kreativ!
Auch Farben scheinen unsere Kreativität beeinflussen zu können: So ergaben die Experimente eines kanadischen Forscherteams mit eingefärbten Bildschirmhintergründen, dass die Farbe Blau im Gegensatz zu Rot die Kreativität anregt und so neue Lösungsstrategien fördert. Dagegen regt Rot nicht einfach nur an, sondern fördert die Vorsicht und steigert die Aufnahmefähigkeit für Details. Rot hat Signalwirkung, Blau hingegen wird mit ruhigen Erscheinungen wie dem Meer oder dem Himmel assoziiert.

Neben Farben können auch bestimmte Raumkonzepte die Kreativität im Team steigern. Innovative Unternehmen lassen diese Erkenntnisse in die Aufteilung und Inneneinrichtung ihrer Firmengebäude einfließen. So empfehlen Experten, den Wechsel aus Rückzugsorten für Einzelpersonen und offenen Räumen, in denen sich die Teammitglieder begegnen und gemeinsam arbeiten können.
Nach Erkenntnissen der Experten, lernen 80 Prozent der Mitarbeiter durch informelle Gespräche, nicht durch Schulungen. Darum regen sie an, Orte zu schaffen, an denen zufällige Begegnungen und unkonventioneller Wissensaustausch möglich sind. 
 
Ein kreatives Arbeitsumfeld stimuliert durch überraschende und humorvolle Architektur. Es schafft Nischen, in denen man gerne mit anderen verweilt. Unkonventionelle Bürolandschaften, die nicht nur die kreative Kollaboration fördern, sondern sich etwa durch Open Spaces und Ateliers auch nach außen öffnen. Kollaborative Kreativität, so Experten, entsteht durch das Zusammenspiel von Insidern und Outsidern.

Ordnung und Chaos
Ein kreativer Prozess wird benötigt, wenn ein Kreativitätsproblem besteht. Um eine (bis dato unbekannte) Lösung finden. Oder um sich zwischen mehreren vorgedachten Lösungen entscheiden zu können.

Effizienz ist bei der Optimierung von Abläufen wichtig, im kreativen Prozess aber nicht unbedingt. Der Schweizer Kreativitätsforscher Gottlieb Guntern beschreibt kreative Prozesse als Prozesse, die „in einem Ökosystem stattfinden, dessen Chaos und Ordnung, Zufall und Gesetz, Freiheit und Strukturzwang, Spontaneität und Berechnung in vielfältigen, dauernd wechselnden Kombinationen die quantitativen und qualitativen Aspekte dieses Prozesses bestimmen.“
Im kreativen Prozess geht es also darum, ein stabiles Ergebnis aus der Kombination von Ordnung einerseits und Chaos andererseits zu finden. Ordnung steht hierbei für Zwang, Gesetz, Berechnung, logisches Denken. Chaos steht für Freiheit, Zufall, Spontaneität.

Kreativtechniken: Ideen auf die Sprünge helfen
Zehn motivierte Mitarbeiter in einem Raum, aber die Ideen wollen und wollen nicht fließen? Kein Beinbruch. Im Fall der Fälle gibt es jede Menge einfache Techniken, mit denen Führungskräfte der Kreativität in ihrem Team auf die Sprünge helfen können. Bekannt-bewährt sind Brainstorming oder Mindmapping. 
 
Eine weitere Technik will ich an dieser Stelle kurz skizzieren: die Walt-Disney-Methode. Dazu werden vier Stühle mit folgenden Rollen markiert und mit Teammitgliedern besetzt:

  •  Träumer (Visionär, Ideenlieferant)
  •  Realist (bodenständig, Macher)
  •  Kritiker (Qualitäts-Manager, Fragensteller)
  •  Neutraler (Beobachter, Berater)

Derjenige, der die "neutrale Position" einnimmt, beginnt mit einer Beschreibung des Themas bzw. der Fragestellung. Dann steigen die anderen Rollenspieler ein und diskutieren das Thema aus der jeweiligen Perspektive. Ist ein gemeinsamer Standpunkt erreicht, werden die Stühle gewechselt und die Idee wird weiter entwickelt, bis ein ausreichend guter Entwicklungstand gereift ist. Nach Erreichen eines gemeinsamen Standpunktes können Spieler ausgetauscht werden, um andere Gesichtspunkte einfließen zu lassen.

Kreativitätskiller
Darüber, was Kreativität fördert, haben wir bereits gesprochen. Aber ebenso gibt es Kreativitätsbremsen, die jeden neuen Gedanken sofort im Keim ersticken können. Pauschale Kritik etwa, persönliche Angriffe, der Verweis auf Traditionen, bestehende Normen, zu erwartende Risiken. Natürlich müssen kreative Lösungen im zweiten Schritt auch auf ihre Praktikabilität überprüft werden. Doch im ersten Schritt müssen Ideen ganz ungehindert fließen können, will man neue Wege beschreiten. Wie sagte schon Erich Fromm: „Kreativität erfordert den Mut, Sicherheiten loszulassen.“

 

Wichtige Grundregeln im Prozess
„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, wird Albert Einstein zitiert. Um zu neuen Lösungen zu gelangen, gilt es also, ein paar wichtige Grundregeln im kreativen Prozess zu beachten:
 

  1. Das Problem muss alleine oder im Team zunächst einmal gründlich durchdacht werden. 
  2. Nicht die Konzentration schafft die Lösung. Durch eine Pause schafft man die  Distanz, die notwendig ist, um neu an die Lösung eines Problems heranzugehen.
  3. Festgefahrene Gedanken behindern den kreativen Prozess, neue Perspektiven und gedankliche Beweglichkeit fördern ihn.
  4. Persönliche Erfahrungen dürfen nicht ausgeklammert werden, Erfahrung und Intuition sind wichtige Schlüssel im kreativen Prozess. 
  5. Es gilt, stets offen zu sein für neue Ideen, mögen sie auf den ersten Blick auch noch so unrealistisch erscheinen. Spinnen ist ausdrücklich erlaubt! Erst im zweiten Schritt werden Ideen dann auf ihre Tauglichkeit hin überprüft.

 

 

27.10.2015

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