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< Interview mit Paul Johannes Baumgartner

Grenzenlos empathisch!

Unsere Geschäftswelt, unsere Märkte werden immer globaler. Lieferanten aus Übersee, Dienstleister in Asien, internationale Geschäftspartner und Kunden überall. Nicht nur für große Konzerne, auch für mehr und mehr mittelständische Unternehmen ist grenzüberschreitendes Arbeiten nicht mehr Ausnahme sondern Regel.

Das eröffnet spannende Möglichkeiten, aber auch neue Herausforderungen. Neben einschlägigen Kenntnissen zu den entsprechenden Wirtschafts- und Rechtssystemen spielt gute Kommunikation eine entscheidende Rolle. Und dabei geht es weniger darum sich fachlich zu verständigen, das ist mit Business Englisch gut machbar, sondern vielmehr darum einander gut zu verstehen, auch zwischen den Zeilen.
Für Niederländer etwa ist das „kopje koffie“ zum sanften Einstieg in eine Besprechung alternativlos. Zuerst wird entspannt über Privates geplaudert, dann erst setzt man sich an die Agenda, ganz egal, wie lang diese ist und wie groß der Zeitdruck.

In den USA begrüßt man sich mit Vornamen und duzt sich, das bedeutet aber noch lange nicht, dass man auch gut befreundet ist. In Österreich dagegen wird viel Wert auf eine korrekte Anrede mit Titel gelegt – und das nicht nur bei Professoren. In China sind Small Talk und harmonische Beziehungen immens wichtig. Kleine Geschenke, die hierzulande den Compliance-Beauftragten in Unternehmen die Schweißperlen auf die Stirn treiben, sind in Asien ein integraler Bestandteil von Geschäftsbeziehungen. Verzichtet man darauf, sind die Geschäftspartner in Indien oder China schon mal irritiert. Im Business Komplimente zu verteilen, für Deutsche ist das ungewohnt, in anderen Ländern aber durchaus üblich. Auch unsere oft strikte Trennung zwischen Sach- und Beziehungsebene kann Gesprächspartner aus anderen Kulturen verunsichern. 


Experten raten deshalb: Wer beruflich mit Menschen jenseits der eigenen Grenzen zu tun hat, sollte sich vorher mit der jeweiligen Mentalität, mit Gepflogenheiten und Ritualen auseinandersetzen, selbst dann wenn, wie in Deutschland und Österreich, die gleiche Sprache gesprochen wird. Man tickt einfach anders diesseits und jenseits der Grenzen.

Empathisch kommunizieren
Doch mal ehrlich: Nicht nur auf internationalem Parkett fördert es die Geschäftsbeziehungen, wenn wir empathisch aufeinander zugehen. Gekonnte Konversation ist ein wichtiger Faktor für Erfolg. „Small Talk ist der kürzeste Weg ins emotionale Gehirn, der Schlüssel zu einem Miteinander. So lassen sich Gemeinsamkeiten finden, und zugleich wird der Horizont erweitert“, schreibt die ehemalige UN-Dolmetscherin Susanne Kilian in ihrem Buch „Don´t let me be misunderstood“ und plädiert dafür, empathisch auf Menschen zuzugehen und die Erwartungen des Gesprächspartners zu erfüllen. Wer aufmerksam und positiv in ein Gespräch geht, bekommt meist auch positives Feedback. Oder, wie es Susanne Kilian formuliert: „Für einen guten zwischenmenschlichen Start vergessen Sie sämtliche Probleme. Beginnen Sie mit den schönen Dingen.“

Small Talk. Sieht man es kritisch, ist er nichts anderes als eine oberflächliche Unterhaltung über belanglose Themen. In deutschen Maßstäben gemessen ist Small Talk weder wichtig, schon gar nicht effizient und oft noch nicht einmal ehrlich. Und dennoch sind Fachleute überzeugt, dass die gekonnte Plauderei erfolgsentscheidend sein kann. Und das nicht nur, wenn man grenzübergreifende Geschäftsbeziehungen pflegt. Mit Small Talk bereiten wir den Boden für die wirklich wichtigen Gespräche. Wann immer diese auch anstehen. Wir bringen uns auf Betriebstemperatur, sorgen für eine angenehme Atmosphäre unter den Gesprächspartnern. Small Talk bietet uns die Möglichkeit, Gesprächspartner für uns einzunehmen. Mit einer kleinen Anekdote, einem Kompliment, einer freundlichen Frage. Wir bauen eine kommunikative Brücke, die dem anderen ein Gefühl von Sicherheit gibt, während er auf uns zugeht.
 

Der perfekte Einstieg
Die Regel Nummer 1 für guten Small Talk lautet folgerichtig: Mach, dass sich dein Gesprächspartner in deiner Umgebung wohlfühlt. Ein Lächeln, eine freundliche Begrüßung, eine belanglose Frage, die den Gesprächspartner nicht überfordert, aber Interesse zeigt. Das ist der perfekte Einstieg.

Nörgeln Sie nicht über das Wetter oder den schlechten Kaffee, auch wenn das noch so nahe liegt: Suchen Sie einen positiven Auftakt für die Plauderei. Auch wenn sie beim Small Talk nur Belanglosigkeiten austauschen: Ihr Interesse an Ihrem Gesprächspartner sollte echt und nicht gespielt wirken. Sie möchten diesen Menschen ja tatsächlich etwas besser kennenlernen, egal, ob er für Sie in der momentanen Situation wichtig ist oder nicht. Sie wissen ja: Man begegnet sich immer zweimal im Leben!
Was für eine herrliche Aussicht! Was für ein schöner Schal! Was für ein interessanter Vortrag! Das sieht lecker aus! Positive Aussagen wirken ansteckend und lassen sich auch mit ausbaufähigem Business-Englisch gekonnt rüberbringen.

Religion. Politik. Krankheiten. Geld. Gerüchte. Diese Themen eignen sich wenig für den Einstieg in eine Plauderei. Wer nicht viel von seinem Gegenüber weiß, sollte Themen vermeiden, die sich im Nachhinein als Fettnäpfchen entpuppen könnten. Besser Sie sprechen über das Wetter, Ihre letzte Reise, das Event, auf dem Sie sich gerade kennengelernt haben oder einen interessanten Kinofilm, den Sie gerade gesehen haben.

Kommt eine lockere, ungezwungene Plauderei in Gang, haben Sie alles richtig gemacht. Bleibt Ihr Gesprächspartner dagegen einsilbig, sollten Sie sich in einem anderen Thema versuchen – oder die Konversation elegant beenden. Oder haben Sie Zuviel von sich selbst erzählt und zu wenig Interesse gezeigt? In ihrer Unsicherheit neigen Menschen gerne zum Monologisieren…
 

Kleines Gespräch für die große Karriere
Auch wenn Small Talk hierzulande ein schlechtes Image hat: Es lohnt sich durchaus an der eigenen Fähigkeit zum zwanglosen Plaudern zu arbeiten. Erfolgreiche Menschen können sich nicht nur selbst gut inszenieren, meist beherrschen sie auch den Small Talk aus dem Effeff.
Fachleute betonen immer wieder die große Bedeutung von  Small Talk. Er ist die Voraussetzung für gute Netzwerke. Mit informellem Geplauder brechen wir das Eis zu neuen Geschäftspartnern und Kunden. Es gehört aber auch zu unserem Berufsalltag: Der kurze Wortwechsel im Aufzug, der Plausch mit der Teamassistentin in der Teeküche oder das Bier mit den Kollegen nach Feierabend.

Gekonnt plaudern, sich besser verstehen? Das sollten Sie beachten:

  • Bereiten Sie sich auf wichtige Termine, wichtige Veranstaltungen gezielt vor: Auf welche Menschen aus welchen Kulturkreisen werden Sie  voraussichtlich treffen? Welche Erwartungen haben diese in punkto Ansprache, Distanz und Art der Konversation?
  • Suchen Sie sich ein unverfängliches Thema für den Einstieg. Beziehen Sie ruhig auch mehr Menschen in das Gespräch ein, wenn es sich ergibt. Schaffen Sie eine gemeinsame angenehme Basis für die Unterhaltung! 
  • Stellen Sie offene Fragen statt geschlossene. Signalisieren Sie durch Nachfragen Interesse.
  • Erzählen Sie von sich, aber stellen Sie nicht Ihr Ego in den Vordergrund. Halten Sie keine Monologe!
  • Nörgeln Sie beim Small Talk nicht! Nur positive Worte verbreiten positive Stimmung.
  • Bleiben Sie natürlich: Auch wenn Small Talk stets an der Oberfläche bleibt, aufgesetzte Freundlichkeit und vorgeheucheltes Interesse wird von Ihrem Gegenüber schnell entlarvt. Seien Sie authentisch!
Dateien:
Dossier_Mai.pdf235 K

09.05.2016

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