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Konstruktives Feedback statt Krittelei

Niemand hört gerne Kritik. Das klingt ja auch gleich so …„kritisch“! Dabei ist Kritik an sich noch nicht einmal negativ. Gemäß ihrem griechischen Ursprung bedeutet sie nicht mehr und nicht weniger als die „Kunst der Beurteilung“. Umgangssprachlich allerdings ist Kritik das Urteil längst gesprochen: Etwas in unserem Handeln, vielleicht auch in unseren Ansichten wird von jemand anderem beanstandet. Da fühlen sich viele schnell auf den Schlips getreten.


Wenn der Chef ständig meckert, wirkt das auf Mitarbeiter alles andere als motivierend. Sie gehen sofort Abwehrhaltung, lassen kritische Töne gar nicht mehr an sich heran. Doch es geht auch anders: Wird Feedback ausgewogen und konstruktiv formuliert und dabei nicht nur kritisiert, sondern auch mal gelobt, hören die Betroffenen bei kritischen Tönen durchaus genauer hin.
Richtig zu kritisieren, Kritik aber auch selbst anzunehmen, ist in jedem Fall ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Job. Zur „aktiven und passiven Kritikfähigkeit“ gehört es, selbstständig zu urteilen und andere auf Fehler hinweisen zu können. Es gehört auch dazu, richtig zuzuhören und sich selbst in seinem Handeln zu reflektieren.


Führungskräfte, die Kritik scheuen, und Mitarbeiter, die keine Kritik hören wollen, bringen kein Unternehmen weiter. Weiterentwicklung ist nur außerhalb der individuellen Komfortzonen möglich. Lassen Sie uns darum gemeinsam genauer betrachten, was gute Kritik ausmacht und wie wir angemessen damit umgehen.
 
Kritik? Ja, aber bitte angemessen!
Wenn in einem Unternehmensbereich oder bei einem Projekt etwas schiefläuft oder offensichtliche Fehler gemacht werden, dürfen Führungskräfte nicht wegsehen. Mehr noch: Es ist ihr Job, den Finger in die Wunden zu legen, um das beste Ergebnis zu erzielen. Gelungene Kritik aber ist hohe Kunst. Es gilt, Missstände anzusprechen, ohne zu verletzen oder zu demotivieren. Und den richtigen Adressaten zu finden, um konstruktiv Veränderungen einzuleiten.
Fairness und Fingerspitzengefühl sind in der Kommunikation zwischen Chef und Mitarbeiter besonders wichtig. Wer gleich lospoltert, darf sich nicht wundern, wenn der andere nicht mehr zuhört. Bei der Bewertung der Leistung anderer sollten bestimmte Regeln eingehalten werden. Förderlich ist in jedem Fall eine ruhige, freundliche Gesprächsatmosphäre. Kritik sollte niemals laut vor anderen Kollegen geäußert werden.


Am besten wirkt Feedback, wenn es ausgewogen gestaltet wird. Am besten ist es, wenn zunächst bei den positiven Dingen angesetzt wird, um später konkret auf kritische Punkte einzugehen. Niemals sollte ein Gespräch mit Vorwürfen eingeleitet werden. Experten betonen auch, dass sich Führungskräfte in ihrer Kritik auf das Wesentliche beschränken und stets sachlich bleiben sollten. Statt auf Hörensagen und Gerüchten sollte die Kritik auf Tatsachen und Erkenntnissen aufbauen.
Kritik braucht aber auch ein Motiv. Wer an Mitarbeitern konstruktiv Kritik üben will, sollte sich fragen, welches Ziel er mit seiner Kritik konkret verfolgt. Wichtig ist, dabei auch konkrete Erwartungen an den Mitarbeiter zu formulieren.
Nie sollten Vorgesetzte die Sachebene verlassen. Manchen Mitarbeitern fällt es selbst bei sachlicher Kritik schwer, sie nicht allzu persönlich zu nehmen. Hilfreich ist, wenn im Unternehmen eine moderne Fehlerkultur gelebt wird und es zur Tagesordnung gehört, Fehler und Probleme auch anzusprechen.

Gutes Feedback sollte nie mit Vorwürfen beladen sein. Nie wird es im Affekt gegeben und immer eröffnet es die Möglichkeit zur Korrektur.
Jedoch: Ständige Kritik durch einen Vorgesetzten kann deprimierend sein, auch wenn sie noch so freundlich formuliert ist. Gibt es so vieles zu kritisieren, sollten Sie überlegen, ob der Mitarbeiter mit seinem individuellen Stärken- und Schwächenprofil in einem anderen Bereich nicht vielleicht besser aufgehoben wäre.
 

  • So kritisieren Sie richtig:
    Schaffen Sie eine ruhige Gesprächsatmosphäre.
  • Sprechen Sie mit dem Mitarbeiter sinnvollerweise allein außer Ihre Kritik richtet sich an das gesamte Team.
  • Steigen Sie mit einer positiven, motivierenden Anmerkung in das Gespräch ein.
  • Sprechen Sie das Problem ganz konkret an.
  • Lassen Sie den Mitarbeiter reagieren, ohne ihn zu unterbrechen. Wo liegt das Problem?
  • Formulieren Sie Ihre Erwartungen und beenden Sie das Gespräch freundlich und aufbauend.
  • Fassen Sie Ihre Erwartungen im Nachgang noch einmal in einer kurzen Mail zusammen.
  • Geben Sie später eine Rückmeldung, ob und was sich verbessert hat.

Kritik annehmen: So geht´s!
Niemand wird gerne kritisiert. Dennoch sollten Sie Kritik nicht sofort abblocken, sondern das Potenzial einer kritischen Anmerkung zur persönlichen Weiterentwicklung prüfen. Ungerechtfertigte, unsachliche Kritik müssen wir allerdings nicht ungefiltert an uns heranlassen. Ruhig und sachlich sollten wir darstellen, warum die Kritik unserer Meinung nach den falschen Adressaten trifft. 

Viele Menschen lassen aber auch konstruktive, gerechtfertigte Kritik kaum an sich heran. Das ist schade, birgt sie schließlich die Möglichkeit, etwas in Zukunft besser zu machen. Am besten ist es, Kritik vom eigenen Ego zu entkoppeln und erst einmal ruhig und nüchtern zu betrachten:

  • Hat mein Kritiker vielleicht recht?
  • Habe ich einen Fehler gemacht?
  • Habe ich mich falsch verhalten?

Kritikfähigkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die berufliche Karriere. Denn nur wer aus Fehlern lernt, kommt letztlich weiter. Denken Sie in Ruhe über das Feedback nach, respektieren und reflektieren Sie die Meinung des anderen. Rechtfertigen Sie sich nicht sofort, sondern denken Sie erst einmal über die formulierte Kritik nach. 

Die Tipps im Überblick:

  • Hören Sie sich Kritik ruhig an.
  • Ist sie sachlich formuliert und gerechtfertigt? Dann seien Sie offen dafür.
  • Ist die Kritik ungerechtfertigt? Dann sagen Sie das auch, aber bitte ruhig.
  • Sehen Sie in der Kritik eine Chance.
  • Was können Sie anders machen? Welche Erwartungen werden an Sie gestellt?
  • Nehmen Sie Verbesserungsvorschläge an. Vielleicht lässt sich Ihr Arbeitsergebnis tatsächlich noch optimieren.
  • Verlieren Sie nicht Ihr Selbstvertrauen, sondern Ihren Anspruch auf Perfektion.

06.11.2015

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