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Neugier als Erfolgsfaktor

Warum die Lust am Erfahren und Entdecken für Menschen und Unternehmen ein echter Erfolgsmotor ist

Wieso? Weshalb? Warum? Kleine Kinder haben viele Fragen. Und meist keine Scheu, diese auch zu stellen. Sie haben einen natürlichen Forscherdrang, geben sich selten nur mit dem Offensichtlichen zufrieden. Sie wollen den Dingen auf den Grund gehen. Hinter geschlossene Türen schauen. Selbst entdecken, warum und wie etwas funktioniert. Sie experimentieren mit großer Lust und loten die eigenen Grenzen aus.
Was uns an Kindern so fasziniert, Ihr Wissensdurst, Ihre natürliche Neugier, haben wir selbst als Erwachsene leider oft verloren. Sei es aus Bequemlichkeit, sei es, weil wir mit unserer Neugierde im Laufe unseres Heranwachsens und unserer Sozialisierung nicht immer die allerbesten Erfahrungen gemacht haben.
„Sei nicht so neugierig!“ Bestimmt haben auch Sie diesen Satz schon häufiger gehört. Die Nase in fremde Angelegenheiten stecken? Das tut man nicht! Lieber machen wir das, was erwartet wird, um nicht anzuecken.

Neugier: Streben nach Wissen oder Laster?
Vielleicht liegt das auch daran, dass die Neugier, die Gier nach Neuem, historisch gesehen ein oft negativ besetzter Begriff war. Im zehnten Buch seiner „Confessiones“ beklagt mit Augustinus Aurelius einer der einflussreichsten Theologen und Philosophen der christlichen Spätantike die „curiositas“ als der Andacht nicht gemäßes Laster, als betäubende Lust zu erfahren und zu erkennen. Und noch im Mittelhochdeutschen war der Begriff „vorwiz“ für Erstaunen, Verwunderung und Neugier nicht weniger als eine Sünde.
Erst in der Neuzeit wurde die Neugier „rehabilitiert“, indem das Streben nach Wissen zum Lebensprinzip erhoben wurde. Dennoch: Bis zur positiven Neugierforschung im motivationspsychologischen Sinne dauerte es noch bis in die 50er Jahre des
20. Jahrhunderts.  

Startschuss für Entdeckungen
„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“ Das wusste schon der italienische Philosoph, Mathematiker, Physiker und Astronom Galileo Galilei. Klar: Neugier, der Wunsch zu wissen, war schon immer der Startschuss für Entdeckungen. Die Motivation, etwas Neues zu erfahren, existiert bereits seit Entstehung der Menschheit. Wir suchen nach Erkenntnissen.
Experten glauben, dass Neugier nicht nur unser Erleben sondern auch unser Überleben bestimmt hat und immer noch bestimmt. Die Neugier brachte unsere Vorfahren dazu, mit Materialien zu experimentieren, aus denen sie neue, bessere Werkzeuge fertigen konnten. Die Neugier ließ uns neue Technologien zur Kommunikation entwickeln. Aus Neugier lernten wir fliegen. Aus Neugier entdeckten wir neue Kontinente, reisten gar bis zum Mond.

Eine unterschätzte Erfolgseigenschaft
In einem Artikel auf karrierebibel.de beschreibt Autor Jochen Mai Neugier als „unterschätzte Erfolgseigenschaft“ ohne die es kaum Experimente, Innovationen oder Fortschritt gäbe. Seiner Ansicht nach ist Neugier „eine Eigenschaft, die man hat und erlernen, aber auch wieder verlernen kann.“ Wie mit der Motivation, so ist es auch mit der Neugier. Wir können bei anderen vielleicht einen kurzfristigen Reiz auslösen, letztlich aber ist Neugier etwas, das aus uns selbst kommen muss und nicht verordnet werden kann. Unsere Neugier ist Teil unserer individuellen Persönlichkeit. Sie wird zum Teil durch unsere Erbanlagen bestimmt, aber auch unsere Umgebung und unsere Erfahrungen beeinflussen, wie neugierig wir sind und bleiben.

Ein Leben lang neugierig bleiben
Wer sich intensiver mit Erfolg und erfolgreichen Menschen beschäftigt, stellt schnell fest: Neugier ist eine wichtige Tugend, um erfolgreich zu sein, ein ganz wesentlicher „Erfolgsmotor“. Wer neugierig ist, bleibt offener für Neues, ist kreativer und erweitert sein Netzwerk schneller. Statt in Routinen zu verharren, sind neugierige Menschen immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und überprüfen und hinterfragen sich dabei auch regelmäßig.  

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Offenheit für Neues und Kreativität mit Neugier korrespondierende Persönlichkeitsmerkmale sind.
Studien bestätigen aber auch, dass wir im Verlauf unseres Lebens immer weniger neugierig werden. Sind es unter den 14- bis 29-jährigen noch 66 Prozent, die sich selbst als neugierig einschätzen, sind es bei den 40- bis 49-Jährigen schon nur noch 37 Prozent. Und nur 30 Prozent der über 60-Jährigen gaben an, neugierig zu sein. Forscher erklären das Phänomen so: Im Alter verstärkt sich das Sicherheitsdenken der Menschen, sie stecken in vertrauten Verhaltensmustern fest und sind nicht mehr so experimentierfreudig.

„Man kann nicht neugierig bleiben, ohne etwas zu lernen.“
Jochen Mai

Dass wir unsere natürliche Neugier beim Älterwerden ein wenig verlieren, ist demnach ganz normal. Dennoch gibt es durchaus individuelle Unterschiede. Viele erfolgreiche Menschen sind auch im höheren Alter noch neugierig und aufgeschlossen für neue Entwicklungen. Nehmen wir den Musiker James Last. Er brachte sich im Alter von 70 Jahren noch das Komponieren mit einer speziellen Software bei. Oder Barbara Beskind: Die 91-Jährige pendelt von einem Altenheim nach Palo Alto, um dort in einem bekannten Unternehmen als Designerin zu arbeiten. Erst vor zwei Jahren hatte sie eine Initiativbewerbung geschickt. James Last und Barbara Beskind, das sind nur zwei von vielen Beispielen, die zeigen, dass es durchaus möglich ist, auch im hohen Alter die eigene Neugier zu kultivieren, Neuland zu betreten.
 
Neugier treibt Unternehmen voran
„Neugier ist gewissermaßen der Anfang von allem“, unterstreicht Thomas Huber in seinem Vorwort zur Studie „Neugier-Management“. Darin geht das Zukunftsinstitut der Frage nach, was hinter dem Phänomen Neugier steckt und wie sich Unternehmen neugierig halten können, um eine Basis für Innovation zu schaffen. Denn auch das ist neu: Neugier ist auch für Unternehmen zu einem echten Erfolgsfaktor geworden.  

In einer Arbeitswelt, die auf Projekte, Teamwork und internationale Netzwerke setzt, ist es immens wichtig geworden, einen offenen Geist zu bewahren. Auch fällt es dem Neugierigen leichter, die Perspektive zu wechseln, die Welt also auch aus Sicht von Kunden und Lieferanten zu sehen und dabei neue Produkte und neue Dienstleistungen zu entwickeln.
Führungskräfte sollten heute großes Interesse daran haben, neugierige Mitarbeiter zu finden und zu halten. Querdenker, die das Unternehmen, seine Strukturen, Produkte und Prozesse durch ihre Neugier weiter vorantreiben können. Wichtig ist es aber auch, diesen Mitarbeitern Raum für ihre Neugier zu geben. Das bedeutet, dass auch Unternehmensstrukturen, Prozesse und Arbeitsweise an das „Neugiermanagement“ angepasst werden müssen.

So bleiben Sie neugierig!
Neugier bereichert unser Leben. Indem wir uns Neuem aussetzen, gewinnen wir einen weiteren Blick, neue Erfahrungen und spannende Einsichten.
Wie Sie Ihrer eigenen Neugier ein wenig auf die Sprünge helfen können, das verraten Ihnen die folgenden fünf Tipps:

Tipp 1
Suchen Sie ganz gezielt nach neuen Erfahrungen: Probieren Sie Lebensmittel aus, die Sie noch nie probiert haben. Kaufen Sie Magazine oder Zeitungen, die Sie noch nie gelesen haben. Gehen Sie nicht immer im gleichen Park spazieren. Wählen Sie bewusst andere Wege oder andere Geschäfte, auch wenn das auf den ersten Blick unpraktisch erscheint. Sie waren noch nie exotisch essen? Dann ist vielleicht jetzt der richtige Zeitpunkt!

Tipp 2
Sagen Sie niemals: „Dafür bin ich zu alt.“ Die Gehirnforschung zeigt: Auch mit 55 können wir noch Klavierspielen, eine fremde Sprache oder Tangotanzen lernen. Nicht mehr so schnell, aber es funktioniert! Fordern Sie sich ruhig selbst heraus! 

Tipp 3
Nehmen Sie sich vor, jedes Jahr einen neuen Ort zu entdecken. Er muss ja nicht gleich auf einem anderen Kontinent liegen. Manchmal gibt es auch Regionen oder Städte in Deutschland, die wir noch nie besucht haben und gerne mal kennenlernen würden. Planen Sie ganz bewusst kleine Entdeckungsreisen.

Tipp 4
Immer die gleichen Gesichter? Versuchen Sie auf Festen oder Veranstaltungen nicht immer nur in den gewohnten Kreisen zu verweilen, bleiben Sie offen für andere Menschen, egal welchen Alters. Versuchen Sie bewusst, mit Menschen aus verschiedensten Generationen ins Gespräch zu kommen, sei es mit neuen Kollegen, mit anderen Eltern, mit den Teilnehmern Ihres Italienischkurses, etc.

Tipp 5
Haben Sie keine Scheu vor technischen Weiterentwicklungen. Ob extravagantes Küchengerät, neu entwickeltes Smartphone oder neuartige Computer-Software. Seien Sie grundsätzlich offen für Innovationen. Sie verstehen nicht, wie etwas funktioniert? Trauen Sie sich ruhig genau nachzufragen, fragen Sie Ihre Kinder oder lassen Sie sich beraten. Wie heißt es so schön bei der Sesamstraße: „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“

06.11.2015

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