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Zukunftsfaktor Unternehmenskultur

Unternehmenskultur hat nicht nur ideellen Wert, sie ist auch in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen messbar. Das zumindest legen Studien nahe. Entscheidend sind aber nicht die Werte, die das Unternehmen nach außen hin proklamiert, sondern diejenigen, die auch nach innen gelebt werden. So lässt sich die Kultur eines Unternehmens nicht anhand von Absichtserklärungen und Wertekodizes auf den Internetseiten eines Unternehmens ablesen, sondern tatsächlich nur anhand der Aussagen von Mitarbeitern belegen. Was ist Unternehmenskultur? Wie entsteht sie? Und warum ist es so wichtig, sich mit ihr zu befassen? Diese und weitere Fragen sollen im Folgenden beantwortet werden.

Was Unternehmenskultur bedeutet
Nach dem Gabler Wirtschaftslexikon versteht man unter dem Begriff Unternehmenskultur die „Grundgesamtheit gemeinsamer Werte, Normen und Einstellungen, welche die Entscheidungen, die Handlungen und das Verhalten der Organisationsmitglieder prägen“. Das Konzept jedoch ist weitaus älter als der Begriff. Zum ersten Mal machte man sich bereits im 18. Jahrhundert in bedeutenden Manufakturen Gedanken darüber. Ab den 1970er-Jahren wurde Unternehmenskultur zunächst in den USA, dann aber auch in Deutschland zunehmend zu einem Managementthema. Fachleute glauben, dass der Aufstieg japanischer Unternehmen ein wichtiger Auslöser war – und die damit verbundene Erkenntnis, dass neben „harten“ auch „weiche Faktoren“ für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens eine essenzielle Rolle spielen: das Betriebsklima, der Führungsstil, die Unternehmensphilosophie, die Werte und Zielvorstellungen eines Unternehmens. Wesentlich zum steigenden  Interesse am Thema Unternehmenskultur beigetragen haben die Managementvordenker Tom Peters und Robert Waterman 1982 mit der ersten Auflage ihres Buchs „Auf der Suche nach Spitzenleistungen“.
 

Tatsächlich untermauern verschiedene Studien, dass gelebte Unternehmenskultur einen wirtschaftlichen Erfolgsfaktor darstellt. So wirken sich Identifikation und Loyalität der Mitarbeiter mit dem Unternehmen offensichtlich messbar auf die Produktivität aus.

Wie Unternehmenskultur entsteht
Jedes Unternehmen hat eine Geschichte, die sich in ihrer Unternehmenskultur spiegelt. Der Gründer, die ersten Mitarbeiter, sie haben das kulturelle Fundament geschaffen. Die Unternehmensgeschichte wird, wenn auch nicht immer bewusst, den neuen Mitarbeitern überliefert, in Form von Ritualen und Traditionen, aber auch in Form von Anekdoten, Zitaten oder Leitsätzen. Wie jede Kultur wird auch die Unternehmenskultur von Menschen geschaffen, geprägt und weiterentwickelt. Sie drückt sich in der Sprache und im Handeln aus. Unternehmenskultur ist nichts Statisches. So wie sich Umwelt, Märkte, Mitarbeiter und auch Produkte verändern, so unterliegt auch die Unternehmenskultur Veränderungsprozessen.

Warum sich Unternehmen mit ihrer Kultur auseinandersetzen sollten
Unternehmenskultur ist, wie bereits in der Einleitung beschrieben, kein „Nice-to-have“. Jedes Unternehmen hat eine Kultur – doch nicht immer eine, in der sich Mitarbeiter auch wohlfühlen. Eine gute Unternehmenskultur hat positive Effekte auf die Motivation der Mitarbeiter und den Teamgeist, sie sorgt aber auch für reibungslosere Kommunikation und die effektivere Umsetzung von Plänen und Projekten. Last but not least sorgt eine gemeinsame, starke Kultur für Stabilität, auch beim Personal. Weniger Fehlzeiten, weniger Fluktuation. Fühlen sich Mitarbeiter im Unternehmen wohl, werden sie seltener krank, arbeiten effizienter und bleiben länger.

Warum Unternehmenskultur in der Chefetage beginnt
Führungskräfte prägen die Unternehmenskultur. Sie geben die Art der Kommunikation und die Rahmenbedingungen des Arbeitens vor. Sie entwickeln Unternehmen strategisch weiter. Sie geben Werte und Ziele vor. Von oben verordnet werden kann Unternehmenskultur dennoch nicht. Leitlinien und Werte, die von den Führungskräften nur propagiert, aber nicht selbst gelebt werden, bleiben ohne nachhaltige Wirkung. Direkt steuerbar ist Unternehmenskultur nur in dem, was nach außen gezeigt wird: in Ritualen, in formulierten Unternehmensleitbildern, im Corporate Design.
 

Warum Unternehmenskultur über die Zukunft von Unternehmen entscheiden kann
Um in einer globalisierten Welt und in dynamischen Märkten bestehen zu können, brauchen Unternehmen Innovationen. Und für ihre Innovationsfähigkeit hoch qualifizierte Mitarbeiter. Bedingt durch den demografischen Wandel stehen jedoch immer weniger junge, gut ausgebildete Menschen auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, als ältere Beschäftigte ausscheiden. Die Konsequenz: ein „War for talents“, in dem Recruiting zu einem für Unternehmen überlebenswichtigen Thema wird. Unternehmenskultur hilft nicht nur dabei, die Potenziale von Mitarbeitern zu nutzen, sie stellt, davon sind Fachleute überzeugt, auch einen Zustrom an qualifizierten Bewerbern sicher. Denn junge Talente haben klare Vorstellungen von ihrem zukünftigen Arbeitsplatz. Für sie entscheidet nicht allein die Vergütung, ihnen kommt es ebenso auf Aufgaben wie auf Rahmenbedingungen an. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die beim Gehalt nicht mit großen Konzernen mithalten und auch keine derart attraktiven Standorte bieten können, ist es wichtig, in Sachen Aufgabenfelder, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und Unternehmenskultur zu punkten.

Die beste PR und das beste Recruiting-Tool für ein Unternehmen, mag es auch wie eine Plattitüde klingen, sind die Mitarbeiter selbst. Zufriedene Mitarbeiter, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren, sorgen für neue Bewerber aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis. Unzufriedene werden Bekannten eher von einer Bewerbung abraten. Und wenn die Hinweise nicht direkt aus dem Bekanntenkreis kommen, tut das Internet ein Übriges. Auf kununu.com oder anderen Bewerberportalen für Arbeitgeber trennt sich die Spreu vom Weizen. Hier wird für potenzielle Bewerber schnell ersichtlich, ob es sich wirklich lohnt, auf die spannend klingende Stellenanzeige oder das Angebot eines Headhunters zu reagieren. Oder lieber nicht.

Was Führungskräfte wirklich tun können
Wie gesagt: Unternehmenskultur lässt sich nicht verordnen und nur bedingt planen. Es ist schlicht unrealistisch, will eine (neue) Unternehmensführung gleiche eine neue Unternehmenskultur einfordern. Nüchtern betrachtet ist schon eine Veränderung der vorhandenen Kultur eine Herausforderung, die Zeit braucht.
 

Unternehmenskultur muss von der Unternehmensspitze vorgegeben und selbst verinnerlicht werden. Sie muss dann aber konsequent auf alle Ebenen weitergetragen werden. Dem mittleren Management muss – neben dem operativen Geschäft - Raum für unternehmenskulturelle Belange gegeben werden. Führungskräfte müssen Mitarbeiter nicht nur durch Worte, sondern auch durch Aktionen inspirieren. Die Entwicklung von Unternehmenskultur ist ein dynamischer Prozess, in den alle Personalverantwortlichen langfristig investieren müssen, um ernten zu können. Die formulierten Werte und Ziele müssen auf allen Ebenen und in allen Bereichen mit Leben erfüllt und in den Köpfen der Menschen im Unternehmen langfristig verankert werden.

Doch Experten sind überzeugt: Der Aufwand lohnt sich. Am hochpreisigen Standort Deutschland wird es in Zukunft mehr denn je auf Spitzenleistungen, auf Innovationsfähigkeit und Kundenorientierung ankommen. Unternehmen werden nur dann erfolgreich sein können, wenn sich Mitarbeiter engagieren und mit ihrem Unternehmen langfristig identifizieren. Und wenn es ihnen gelingt, für junge Talente und gut ausgebildete Fachleute zu einem wirklich attraktiven Arbeitsplatz zu werden.

Fragen zum Weiterdenken:

  • Gibt es in Ihrem Unternehmen ein Unternehmensleitbild?
  • Wie würden Sie die Unternehmenskultur in Ihrem Unternehmen beschreiben?
  • Welche Werte werden gelebt? Welche Rituale gibt es?
  • Was ist gut? Was könnte besser gemacht werden?
  • Wo können Sie persönlich ansetzen?

 

 

27.10.2015

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