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Interview mit René Borbonus

1. Herr Borbonus, Ihr neuestes Buch ist ein Plädoyer für mehr Klarheit in der Kommunikation. Haben wir verlernt, klar zu kommunizieren?

Es ist zunächst einmal schwieriger geworden. Heute strömen täglich Unmengen von Botschaften auf uns ein. Und es ist eben nicht die Quantität von Informationen, die für Klarheit sorgt, sondern ihre Qualität. In dieser Hinsicht hat uns die Informationsflut das Leben eher schwerer als leichter gemacht. Klarheit können wir nämlich nicht konsumieren. Wir müssen sie uns selbst verschaffen. Und das war früher leichter als heute, auch ohne dass wir etwas verlernt hätten. Allerdings haben die neuen Kommunikationsformen schon auch dazu geführt, dass wir echte Gespräche weniger wertschätzen und praktizieren – den persönlichen, klärenden Dialog.

2. Geben Sie uns einen kleinen Tipp, wie wir uns sofort klarer ausdrücken können.

In der Kommunikation ist weniger oft mehr. Was fürs Argumentieren gilt, gilt auch fürs Erklären und für die meisten anderen Gesprächsanlässe: Wir neigen dazu, viel zu viel zu sagen. Das ist der Klarheit abträglich. Der Philosoph Karl Popper hatte für die Geschwätzigen unter seinen Kollegen einen Spitzen-Tipp parat: „Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.“
 

3. Für JÖRG LÖHR Erfolgstraining halten Sie ein Seminar mit dem Titel „Rhetorik II – Spuren hinterlassen“. Was dürfen die Teilnehmer auf dieser Schulung erwarten?


Sie lernen an einem Tag, wie sie ihre Reden und Präsentationen so anreichern können, dass ihre Botschaften und sie als Rednerpersönlichkeiten stärker wirken. Und an einem weiteren Tag geht es darum, wie sie Gespräche besser führen und mit ihrer Kommunikation ans Ziel kommen können.


4. Was macht für Sie eine gute Präsentation aus?


Eine gute Präsentation informiert, bewegt und unterhält. Wenn gute Substanz und gute Wirkung zusammentreffen, dann treffen Präsentationen ins Schwarze. Und das kann prinzipiell jeder lernen. Gute Redner werden gemacht, nicht geboren.  


5. Kann man wirklich lernen, auch schwierige Gesprächspartner zu überzeugen?


Wenn Gespräche schwierig sind, liegt das meist daran, dass die Beziehungsebene nicht stimmt. Die entscheidet allerdings darüber, was auf der Sachebene überhaupt möglich ist. Die gute Nachricht: Auch auf die Beziehungsebene kann ich in der Kommunikation direkten Einfluss nehmen – selbst bei jemandem, dem ich noch nie begegnet bin. Oft stoßen wir andere Menschen unabsichtlich vor den Kopf, nicht bewusst. Und auch darauf haben wir natürlich Einfluss, auch das kann man lernen. Indem ich meinem Gesprächspartner respektvoll gegenübertrete, werde ich in der Regel auch mehr Respekt bekommen. Das macht mich überzeugender.

19.02.2016

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