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Erfolg: Nichts für Perfektionisten!


„Sogar das Vortrefflichste hängt von Umständen ab und hat nicht immer seinen Tag.“
Baltasar Gracián y Morales, spanischer Jesuit, Moralphilosoph und Schriftsteller

Niemand möchte von seinem Herzchirurgen oder seinem Piloten hören, dass er heute mit dem linken Bein aufgestanden ist. Und wer sich seit Wochen auf das Konzert eines internationalen Rockstars freut und für die Tickets einen dreistelligen Betrag investiert hat, wird wenig Verständnis dafür haben, wenn der Künstler auf der Bühne nicht alles gibt.

Es gibt Berufsgruppen, an die extrem hohe Erwartungen gestellt werden. Und es gibt Menschen, die besonders hohe Ansprüche an sich selbst haben. Viel zu wollen ist nicht verwerflich. Im Gegenteil: Nur wenn wir uns an hohen Standards orientieren, können wir uns weiter verbessern, über uns hinauswachsen, Höchstleistungen erbringen. Das Streben nach Perfektion kann aber auch zum Problem werden, nämlich dann, wenn wir uns damit ständig über-fordern. Experten unterscheiden darum zwei Arten von Perfektionismus: den funktionalen gesunden und den dysfunktionalen ungesunden.

Nur die eigenen Schwächen im Blick
Nicht unsere Ziele, sondern unser Selbstbewusstsein entscheidet letztlich darüber, ob wir gesund oder ungesund perfektionistisch sind. Wer sich bei jedem Missgeschick gleich komplett als Versager fühlt, wer eine Aufgabe lieber gar nicht angeht, anstatt sie nur durchschnittlich zu erledigen, wer stets nur seine Schwächen und Unzulänglichkeiten, nie aber seine Stärken im Blick hat, der schadet sich auf Dauer. Immer alles perfekt machen zu müssen, kann unglaublich anstrengend sein. Perfektionismus schränkt uns ein. Er lähmt uns, macht uns feige und manchmal sogar krank.
 

Dass die ständige Angst zu versagen und Fehler zu machen auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat, liegt eigentlich auf der Hand. Innere Unruhe und Stress sind noch die geringsten Symptome. Perfektionisten sind Getriebene. Schlafstörungen, Essstörungen und Burnout können die Folgen sein. Oft, so Fachleute, liegen die Wurzeln für krankhaften Perfektionismus schon im Elternhaus. Meist haben die Betroffenen schon früh gelernt, dass nur Leistung sie liebenswert macht. Das heißt jedoch nicht, dass sie das nicht auch wieder ändern könnten!

Freude und Genuss? Fehlanzeige!
Für den Anfang reicht es schon, sich selbst einmal den Spiegel vorzuhalten. Nehmen wir einmal an, Sie haben ein paar Bekannte und Freunde zu einer kleinen Feier eingeladen. In der Regel gibt es ein paar Dinge vorzubereiten: Sie besorgen Getränke, Sie organisieren das Essen und Sie fragen jemanden, ob er sich um die Musik kümmern kann. Die Perfektionisten unter Ihnen gehen da ganz anders ran: Sie sind schon Wochen vor dem festgelegten Termin in Aufruhr. Sie holen verschiedenste Angebote von unterschiedlichsten Cateringunternehmen ein und treffen kurz vor knapp erst eine Entscheidung, weil sie sich einfach nicht entscheiden können. Sie fragen zig Menschen, bis sie den vermeintlich „richtigen“ Wein ausgewählt haben, und planen minutiös den Ablauf des Abends. Alles muss perfekt sein, vom Aperitif bis zum Dessert, von der Deko bis zur Musikauswahl. Ist der Tag gekommen, und nicht alles läuft perfekt, würden sie das Fest am liebsten ganz absagen. Mit ihren Gästen können sie sich kaum unterhalten, schließlich müssen sie sich ständig darum kümmern, dass wirklich alles perfekt funktioniert …

Schneller, besser, ausgelaugt
Perfektionismus kann uns auch im Berufsleben im Weg stehen. Haben Sie auch das Gefühl, alles schneller und besser machen zu müssen als die Kollegen? Nehmen wir einmal an, ein Projekt steht kurz vor dem Abschluss, eine Präsentation für die Geschäftsführung muss erstellt werden, und Sie sind damit betraut. Ihr Anspruch ist nichts weniger als Perfektion, Sie wollen beim Chef punkten. In der Folge verwerfen Sie jeden Ihrer guten Ansätze und stehen nach einem Tag immer noch am Anfang.
 

Wie Sisyphos in der Unterwelt versuchen Sie immer wieder Ihren Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Und immer wieder entgleitet Ihnen der Stein, und Sie müssen wieder von vorne anfangen. Allerdings haben Sie mittlerweile das sprichwörtliche Brett vor dem Kopf, fühlen sich komplett ausgelaugt und werden in der folgenden Nacht auch noch fürchterlich schlecht schlafen. Ihre Präsentation wird davon wahrlich nicht besser.

Für Führungskräfte fatal
Für Führungspersönlichkeiten ist Perfektionismus eine besonders fatale Eigenschaft. Man könnte auch sagen: Effektive Führung und Perfektionismus schließen einander aus! Wer große Ziele hat und viel bewegen möchte, kann sich auf dem Weg nicht um jedes Detail kümmern, ohne sich zu verzetteln. Das bedeutet nicht, dass man sich als Chef nicht tief in eine Materie einarbeiten sollte! Die Aufgabe von Führungskräften ist es jedoch, selbst nur die großen Weichen zu stellen und das eigene Team zu befähigen, Arbeiten eigenverantwortlich zu erledigen – Fehler allerdings nicht ausgeschlossen.
Vor allem perfektionistische Chefs neigen dazu, alles selbst zu machen. Verantwortung abzugeben ist für sie ein Gräuel, denn sie glauben nicht, dass ein Mitarbeiter ihre hohen Anforderungen zu 100 Prozent erfüllen kann. Lieber verausgaben sie sich selbst, machen Überstunden, arbeiten rund um die Uhr bis zur Erschöpfung.
Das führt auf Dauer nicht nur zu gesundheitsgefährdendem Stress, sondern auch zu demotivierten Mitarbeitern und vor allem zu einer ineffizienten Organisation. Gute Chefs müssen delegieren und sich zurücknehmen. Sie sollten den Überblick behalten und einzelne Teile zu einem großen Ganzen fügen. In einem Klima von Perfektionismus gedeihen nur Angst und Druck, aber weder Kreativität noch Mut noch dauerhaft gute Leistungen.

Prioritäten setzen
Tatsächlich haben Chefs immer eine besondere Verantwortung. Zum Beispiel dafür, ihre Mitarbeitern zu fordern, aber nicht zu über-fordern. Konkretisieren Sie also Ihre Ansprüche: Worauf legen Sie besonderen Wert? Was sind Ihre Prioritäten? Und welche Arbeiten können an besonders stressreichen Tagen auch mal verschoben werden? Reden Sie mit Ihren Mitarbeitern über den Druck, dem Sie ausgesetzt sind.
 

Nicht um ihn eins zu eins weiterzugeben, sondern um gemeinsam einen Weg zu finden, gute Ergebnisse zu erzielen.

Perfektionismus entsteht oft durch eine unrealistische Erwartungshaltung. Aus einer unrealistischen Erwartungshaltung entsteht schnell Überforderung. Diese  behindert oder, im schlimmsten Fall, verhindert die Fertigstellung von Aufgaben und reduziert den Erfolg von Einzelnen, von Teams, Abteilungen und ganzen Unternehmen.

Es ist also an der Zeit umzudenken. Wie beschreibt es Bettina Stackelberg in ihrem Buch „Gut reicht völlig“ so anschaulich: „Der Weg raus aus der Perfektionsfalle ist ein Prozess, eine Mischung aus hinsehen, analysieren, kapieren, anders denken, weniger denken, sich anders verhalten, überprüfen, nachjustieren und so weiter. Haben Sie also bitte Geduld mit sich, freuen Sie sich über kleine Erfolge.“


Sind Sie ein Perfektionist?


Testen Sie selbst:

  • Fällt es Ihnen oft schwer, eine Arbeit zu Ende zu bringen, weil Sie glauben, diese sei noch nicht gut genug?
  • Lassen Sie Arbeiten lieber liegen als sie nur durchschnittlich zu erledigen?
  • Können Sie Aufgaben nur schwer delegieren?
  • Können Sie Fehler und Missgeschicke nur schwer akzeptieren, seien es eigene oder die von anderen?
  • Grübeln Sie oft, wie Sie etwas noch hätten besser machen können?

 

 

27.10.2015

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